Merkmale von Exzellenz

Der Begriff Exzellenz ist momentan in aller Munde. Im Unternehmensumfeld wird von Business Excellence gesprochen, es wird über die Merkmale exzellenter Teams diskutiert und der Begriff persönliche Exzellenz ist im Coaching Umfeld inzwischen ebenfalls ein geflügeltes Wort.

Aber was genau bedeutet der Begriff Exzellenz? Häufig wird damit eine Spitzenleistung und das Abheben von der Masse anderer (meistens Unternehmen oder Organisationen) verbunden. Laut Bröckling ist Exzellenz „das, von dem alle ständig reden, das zweitens alle erreichen wollen, das drittens aber niemand sicher sein kann, tatsächlich erreicht zu haben und von dem … vor allem viertens niemand genau sagen kann, was das eigentlich ist“ [Bröckling U., 2009].

Auch wenn die konkrete Definition schwierig ist, so möchte ich in diesem Artikel beleuchten, welche Merkmale mit dem Begriff Exzellenz verknüpft sind. Unabhängig davon, ob er sich auf ein Unternehmen, auf ein Team oder ein Individuum bezieht.

Effektivität und Effizienz

Die Basiselemente von Exzellenz sind Effektivität – Ziele definieren und passende Maßnahmen zur Zielerreichung finden-und Effizienz – die Zielerreichung mit dem geringst möglichsten Aufwand zu realisieren.

Effektivität – die richtigen Ziele definieren und die entsprechenden Maßnahmen identifizieren. Dies ist nur möglich, wenn die Vision klar beschrieben ist. Toyota nennt diese Vision Nordstern [Kürzel A., 2017]. Dieser Nordstern ist konkret beschrieben und so ambitioniert, dass die Zielerreichung fast unrealistisch erscheint. Dadurch wird eine Sogwirkung erzeugt. Alle Mitarbeitenden von Toyota setzen jeden Tag alles in ihrer Macht Stehende daran, dieser Vision näher zu kommen.

Aus einer Vision lassen sich dann entsprechende Zwischenziele ableiten anhand derer notwendige Maßnahmen priorisiert werden können. Dies ist kein einmaliger Prozess, er sollte sogar flexibel sein, da sich das Umfeld und die Bedingungen ändern können. Es braucht eine gewisse Disziplin, sich immer wieder die Frage zu stellen, ob die gesteckten Zwischenziele sowie die gewählten Maßnahmen noch die Richtigen sind. Neben der Disziplin ist natürlich die Fähigkeit zur Selbstreflexion eine wichtige Voraussetzung.

Die Sicherstellung der Effektivität von Handlungen ist die Basis für Exzellenz auf der die Effizienz aufbauen kann – das, was man tut noch besser machen. Um zu sehen, was noch besser laufen könnte, braucht es eine gewisse Offenheit und den Willen, den Weg der kontinuierlichen Verbesserung zu gehen. Während wir bei der Zielerreichung Maßnahmen mit Hilfe von Roadmaps und Projektplänen definieren und nachverfolgen, so ist die Steigerung der Effizienz ein iterativer Lernprozess, der nie endet. Um Verbesserungspotentiale zu entdecken, braucht es Neugierde und den Mut etwas auszuprobieren- die Fähigkeit zu lernen. Und dann natürlich den Mut und den Willen, etwas zu verändern sowie die Konsequenz, diese Veränderungen umzusetzen und nachzuhalten. In einem Klassiker zum Thema Merkmale von Exzellenz in Unternehmen wird von den Autoren der Wille zum Handeln an erster Stelle genannt [Peters T. u. Waterman R., 2015]. Neben dem Willen benötigt es ein hohes Maß an Disziplin. Wo keine Standards sind, kann auch keine Verbesserung stattfinden [Kürzel A.,2017], was wiederum bedeutet, dass Veränderungen nicht nur nachgehalten, sondern zur Routine gemachen werden sollten, damit der nächste Verbesserungszyklus möglich wird.  Wie bereits erwähnt, ist Toyota deshalb so erfolgreich, weil jeder einzelne Mitarbeiter seine Arbeit auf die kontinuierliche Verbesserung fokussiert. Jeder trägt seinen Teil der Verantwortung bei, um der Vision (Nordstern) näher zu kommen. Diese Fokussierung wird durch eine besondere Art des Dialogs zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden ermöglicht, was eine bestimmte Art der Führung erfordert.

Fassen wir noch mal zusammen – die benötigten Eigenschaften lauten: Fähigkeit zur Selbstreflexion, Veränderungswillen, Konsequenz, Lernbereitschaft, Willen zum Handeln, Disziplin, Verantwortung und Führung. Dies sind Eigenschaften, die das Management und alle Führungskräfte benötigen und erzeugen sollten, wenn sie Unternehmen oder Teams in Richtung Exzellenz entwickeln möchten. Keine leichte Aufgabe. Schauen wir uns an, welche strukturellen Maßnahmen dabei behilflich sein können, diese anspruchsvollen Führungsaufgaben zu stemmen.

Business Excellence

In Unternehmen benötigt es eine Vision, auf die die Aktivitäten ausgerichtet sind, um Effektivität zu gewährleisten. Darüber hinaus braucht es einen entsprechenden Strategieprozess, um regelmäßig zu überprüfen, ob noch alles auf dem richtigen Weg ist. Das Kerngeschäft sollte stabil laufen (s. oben). Ist diese Stabilität erreicht, kann der Fokus auf die Reduzierung von Verschwendung gerichtet werden. Dazu benötigt es einen klaren Bezug dieser Aktivitäten zur Strategie [Rother M., 2013]. Die zweite wichtige Voraussetzung ist die Anpassung der Führung an diese Herausforderung. Von den Führungskräften wird erwartet, dass sie eine Kultur schaffen, in der die Offenheit besteht, zu lernen. Dazu benötigt es eine entsprechende Fehlerkultur. Es braucht veränderte Formen der Meetings, um die Kommunikation ständig am Laufen zu halten. Und noch wichtiger, die Mitarbeiter müssen ermutigt und empowert werden, ihre Arbeitsabläufe ständig auf Verbesserungspotentiale hin zu hinterfragen und Verbesserungsideen zu identifizieren. Sind diese identifiziert, benötigt es die Unterstützung durch den Vorgesetzten, um die Mitarbeiter bei der Umsetzung dieser zu unterstützen. Somit geht die Führungskraft in eine Haltung des Fragenden und Unterstützenden. „Exzellenz ist keine Aktion sondern eine Gewohnheit“ (Aristoteles). Diese Gewohnheit, im Unternehmenskontext Kultur genannt, muss durch Führungskräfte vorgelebt, gefördert und eingefordert werden. Durch ihr eigenes Verhalten und Einstellungen und durch Disziplin und Konsequenz bei der Durchführung von Routinen.

Exzellente Teams

High Performance Teams zeichnen sich durch ständige Selbstverbesserung aus [Hofert S., 2016]. Auch ein exzellentes Team entwickelt sich nur unter der entsprechenden Führung. So benötigt ein Projektteam ebenfalls eine klare Vision, sowie regelmäßige Überprüfungen, ob die Aktivitäten des Teams noch in die richtige Richtung laufen. Der Projektleiter sollte also Strukturen schaffen, die dies ermöglichen. Dabei können Workshops hilfreich sein, oder auch Kurzbesprechungen – Routinen.  Diese ermöglichen eine höhere Flexibilität und Schnelligkeit. Ein weiteres Merkmal exzellenter Teams sind klare Rollen und Verantwortlichkeiten [Unum 2015]. Aufbauend darauf kann die Effizienz eines Projektteams insofern gesteigert werden, dass Teammitglieder entsprechend ihrer Stärken und Schwächen eingesetzt werden oder / und sich gegenseitig unterstützen. Eine klare Vision und definierte Rollen ermöglichen es dem Teamleiter von High Performance Teams, sich auf die Befähigung, Entwicklung und Unterstützung der Teammitglieder zu fokussieren.

Persönliche Exzellenz

Während bei Unternehmen und Teams die Bestrebungen Richtung Exzellenz ganz klar in der Verantwortung der Führungskräfte liegt, ist die Entwicklung der persönlichen Exzellenz nicht zuletzt auf die Fähigkeit des Selbstmanagements zurückzuführen. Eine Vision zu haben und daraus Ziele abzuleiten, ist auch bzgl. der persönlichen Entwicklung die wichtigste Voraussetzung. Analog zum Unternehmen sollte sich jeder ab und an die Zeit nehmen gegenzuprüfen, ob der Weg noch der Richtige ist.  Diese Selbstreflexion ist anstrengend, so dass ein starker Wille zur Weiterentwicklung Voraussetzung ist. Falls der Weg nicht mehr der Richtige ist, erfordert es Konsequenz, bestimmte Aktivitäten oder auch Beziehungen zu beenden. Wie Buddha konstatierte „Das Geheimnis des außerordentlichen Menschen ist in den meisten Fällen nichts als Konsequenz“.

Neben den Aktivitäten zur Steigerung der persönlichen Effektivität gibt es auch in der Persönlichkeitsentwicklung Möglichkeiten, die eigene Effizienz zu steigern. Dabei fokussiert man sich nicht direkt auf Verschwendung. An dieser Stelle kommt eher die Formel

Leistung = Potential – Störung

zum Einsatz. Störungen können z.B.  Ängste, ausgeprägte Bedürfnisse oder auch Glaubenssätze sein. Um sich dieser bewusst zu werden, ist es notwendig innezuhalten und sich selber zu beobachten: Was passiert gerade. Was machen meine Emotionen, wie sind diese mit meinen Gedanken verknüpft? Woher kommen diese Gedanken? Wer ist für diese Gedanken verantwortlich? Diese Art der Selbstreflexion ist anstrengend. Gerade in der heutigen Zeit fällt es immer schwerer, sich dafür Zeit zu nehmen und für diesen inneren Dialog die notwendige Disziplin aufzubringen. Doch genau diese Selbstreflexion ermöglicht es, die Verantwortung für sich selber zu übernehmen.

Liebe Leser, ich hoffe, Ihnen hat dieser Artikel gefallen. Ich persönlich verbinde mit dem Begriff Exzellenz das „Streben nach kontinuierlicher Weiterentwicklung“. Bitte beachten Sie, dass es natürlich wesentlich mehr Aspekte bzgl. der Exzellenz in Unternehmen, Teams oder der persönlichen Weiterentwicklung gibt. Dieser Artikel beleuchtet lediglich die Gemeinsamkeiten, die mir aufgefallen sind.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar hilfreiche Impulse geben und würde mich über Ihre Rückmeldungen freuen.

Ihre Sonja Diekmann

Literatur:

  • Hofert S.: Agiler führen-Einfache Maßnahmen für bessere Teamarbeit, mehr Leistung und höhere Kreativität. Springer 2016.
  • Kürzel A.: Produktionssystem, Fertigungssteuerung, Toyota und Kata- Durch Konsequenz zur Exzellenz. Kindle Direct Publishing. 2017.
  • Peters T. u. Waterman R.: In search of excellence. Profile Books. 2015.
  • Rother M.: Die Kata des Weltmarktführers – Toyotas Erfolgsmethoden. Campus Verlag 2013.
  • Unum. Anatomy of great business teams. http://cdn2.hubspot.net/hubfs/234061/Anatomy-of-a-Great-Business-Team-v.8.0-1.jpg. 2015.Stobbe, M.: Lösungsfokussiertes Coaching rechnet sich. Books on Demand 2008.
  • U. Bröckling. Von den Exzellenzen zur Exzellenz. Genealogie eines Schlüsselbegriffs. in: Forschung & Lehre, 16. 2009.

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