Lean – eine kulturelle Transformation

Lean – jeder Mitarbeiter arbeitet täglich daran, sein Arbeitsumfeld zu verbessern. Diese Veränderung erfordert eine kulturelle Transformation, da es nicht nur darum geht, Tools und Methoden zu erlernen und anzuwenden. Vielmehr geht es darum, eine Verhaltensänderung bei allen Mitarbeitern zu erzeugen. Doch wie kann diese kulturelle Transformation erzielt werden?

Änderung des Verhaltens – geht das überhaupt?

Jeder Mensch ist in der Lage, sein Verhalten zu verändern. Doch ist dies aufwendiger, als eine neue Fähigkeit zu erlernen. Das weiß jeder, der schon mal versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören. Es braucht mehr, als nur das Wissen, dass es vernünftiger wäre, es zu tun. .

Die (neuro)logischen Ebenen

Die Dilt Pyramide, das Modell der (neuro) logischen Ebenen verdeutlicht, an welcher Stelle angesetzt werden sollte, um eine nachhaltige Veränderung beim Verhalten zu erzeugen:

Bleiben wir einmal bei dem Bespiel des Rauchens. Jeder Raucher weiß, dass es vernünftiger wäre, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Umwelt bzw. das Umfeld macht es den Rauchern insofern schwerer, dass sie die Risiken fast nicht mehr ignorieren können. Abschreckende Bilder auf den Zigarettenschachteln weisen sehr deutlich auf die Risiken hin. Und trotzdem scheint diese Maßnahme nicht flächendeckend zu einer Verhaltensänderung zu führen. Die Dilt Pyramide liefert die Begründung für diese Problematik: wollen wir das Verhalten beeinflussen, ist es notwendig, auf den oberen Ebenen der Pyramide anzusetzen.

Unsere Werte beeinflussen unser Handeln

Die Vision beschreibt den höheren Sinn, den wir in unserem Leben sehen. Daraus leitet sich unser Auftrag ab und wie wir uns selber sehen, welche Identität wir haben möchten. Unsere Werte haben einen starken Einfluss auf unser Handeln. Die oberen Ebenen triggern die Frage nach den Fähigkeiten, die wir brauchen, um unserer Vision zu folgen und uns entsprechend unserer Werte zu verhalten. Und dann brauchen wir ein entsprechendes Umfeld, welches dieses erwünschte Verhalten unterstützt. An dieser Stelle könnten die abschreckenden Bilder auf den Tabakverpackungen evt. unterstützen.

Welches Verhalten passt zu meinem Selbstverständnis?

Wenn ich mit dem Rauchen aufhören möchte, dann könnte mir das gelingen, indem ich mir über meine Identität Gedanken mache. Wie sehe ich mich selber. Bin ich ein verantwortungsvoller Mensch, der als Vorbild fungieren möchte? Dann passen zu dieser Identität mit Sicherheit Werte wie Verantwortung und Integrität. Oder sehe ich mich als freies und unabhängiges Individuum, dessen höchster Wert z.B. die Freiheit ist? Oder ich sehe mich als gesunden Menschen mit einer ausgezeichneten Kondition. Dann sind Werte wir Gesundheit und Bewegung für mich relevant. Und in dem Moment, in dem ich mir diese Fragen stelle, kommt automatisch ein anderer Gedanke: welches Verhalten passt zu diesem Selbstverständnis – zu diesem Bild von mir und zu meinen Werten. Und wenn an dieser Stelle das Verhalten, z.B. das Rauchen nicht mehr zu meinem Selbstverständnis passt, dann ist die Chance höher, dass ich mein Verhalten verändere.

Verhaltensänderung im gesamten Unternehmen

Kommen wir zurück zu dem Thema der Lean Transformation und der Notwendigkeit, eine Verhaltensänderung im Unternehmen zu erzeugen. Das Modell greift auch im Unternehmenskontext. Es kann sowohl auf die Organisation als Ganzes als auch auf die einzelnen Individuen angewendet werden. Entscheidend ist, dass die Fragen nach der Vision und der Identität (Mission) und den zugehörigen Werten der Startpunkt für eine Veränderung auf der Verhaltensebene sind. Die Lean Transformation sollte die Unternehmensvision und Mission unterstützen und die Lean Werte mit den Unternehmenswerten vereinbar sein.

Ein weiteres Modell, welches ebenfalls die Abhängigkeit zwischen der Einstellung (Attitude) und dem sichtbaren Verhalten (Behavior) beschreibt, ist das Betari Modell:

Es zeigt darüber hinaus den Einfluss, den jeder von uns mit seinem Verhalten auf die Einstellung und damit auf das Verhalten von anderen hat. Im Unternehmenskontext macht dieses Modell deutlich, wie viel Einfluss das gezeigte Verhalten der Führungskräfte bei einer geplanten kulturellen Transformation hat. Doch wie kann das notwendige einheitliche Verständnis erzeugt werden?

Authentische Führungskräfte

Gemeinsame Diskussionen zu dem Thema der Vision und dem Selbstverständnis der Führungskraft können diese Transformation erleichtern. Im Lean Kontext erleichtern klare Beschreibungen der Anforderungen an einen Lean Leader und der dazugehörigen Werte diese Diskussion. Im Zuge einer Lean Transformation ist jede Führungskraft aufgefordert zu prüfen, ob diese Identität als Lean Leader und die Lean Werte zu den persönlichen Vorstellungen und den Grundwerten passen. Ist dem nicht so, kann das gezeigte Verhalten nicht kongruent sein, und die Führungskraft ist damit nicht authentisch.

Liebe Leser, kulturelle Transformationen sind eine große Herausforderung. Falls Sie Ergänzungen haben oder aus eigenen Erfahrungen berichten möchten, ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Ihre Sonja Diekmann